Um meinen Geist zu beruhigen, höre ich zum Einschlafen meistens Interview-Radiosendungen. Darunter auch ein Mal die Woche Das philosophische Radio, wo die Begrüßung Freunde der Weisheit! durch den Moderator Jürgen Wiebicke längst zum geflügelten Wort geworden ist.
Während dieser sich mit einem Gast über Schöpfung und Evolution unterhält, werde ich nervös. Als wäre ich wieder ein Teenager, liege ich mit Schweißausbrüchen im Bett und ertrage sie kaum, die Angst vor dem Tod. Schon damals konnte ich nächtelang wegen ihr nicht schlafen und ab und an werde ich noch heute von ihr heimgesucht, spüre eine Panikattacke in mir aufsteigen. Dann zerreißt es mich fast, während ich mir vorzustellen versuche, dass ich irgendwann einfach fort bin – auch wenn diese Tatsache für den Lauf der Welt egal ist.
Ich kann dieses Mal lange nicht schlafen und denke über Situationen nach, in denen ich nicht mutig war, in denen ich nicht wahrhaftig war, in denen ich Chancen verstreichen ließ, in denen ich unfair war, in denen ich meine Gefühle für mich behielt, ihnen nachgab oder besser nicht nachgegeben hätte. Hin und her gerissen zwischen eigenen Bedürfnissen oder Unzulänglichkeiten, gesellschaftlichen, sozialen oder moralischen Verpflichtungen, der Nähe oder Ferne zu Menschen.
Die momentane Zäsur in meinem Leben macht mich sehr nachdenklich, lässt mich Dinge neu betrachten und ich ordne sie manchmal anders ein als zuvor. Ich will in Zukunft weniger werten, ehrlicher sein und noch viel mehr wagen.
