21/02/2013
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Um meinen Geist zu beruhigen, höre ich zum Einschlafen meistens Interview-Radiosendungen. Darunter auch ein Mal die Woche Das philosophische Radio, wo die Begrüßung Freunde der Weisheit! durch den Moderator Jürgen Wiebicke längst zum geflügelten Wort geworden ist.

Während dieser sich mit einem Gast über Schöpfung und Evolution unterhält, werde ich nervös. Als wäre ich wieder ein Teenager, liege ich mit Schweißausbrüchen im Bett und ertrage sie kaum, die Angst vor dem Tod. Schon damals konnte ich nächtelang wegen ihr nicht schlafen und ab und an werde ich noch heute von ihr heimgesucht, spüre eine Panikattacke in mir aufsteigen. Dann zerreißt es mich fast, während ich mir vorzustellen versuche, dass ich irgendwann einfach fort bin – auch wenn diese Tatsache für den Lauf der Welt egal ist.

Ich kann dieses Mal lange nicht schlafen und denke über Situationen nach, in denen ich nicht mutig war, in denen ich nicht wahrhaftig war, in denen ich Chancen verstreichen ließ, in denen ich unfair war, in denen ich meine Gefühle für mich behielt, ihnen nachgab oder besser nicht nachgegeben hätte. Hin und her gerissen zwischen eigenen Bedürfnissen oder Unzulänglichkeiten, gesellschaftlichen, sozialen oder moralischen Verpflichtungen, der Nähe oder Ferne zu Menschen.

Die momentane Zäsur in meinem Leben macht mich sehr nachdenklich, lässt mich Dinge neu betrachten und ich ordne sie manchmal anders ein als zuvor. Ich will in Zukunft weniger werten, ehrlicher sein und noch viel mehr wagen.




11/02/2013
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Jene Zeit ohne Arbeit, die Zeit zwischen zwei vermeintlich geregelten Leben, ist gut, um ganz in Ruhe zu erforschen, wer man geworden ist, als man so vor sich hingelebt hat im Alltag, der nur wenig Platz ließ, um sich wirklich mit sich selbst zu beschäftigen, und um darüber nachzudenken, wer man werden möchte.
Dieses Mal könnte sich erneut etwas Grundlegendes ändern. Es steht eine Möglichkeit im Raum, die mir vor kurzem noch undenkbar vorgekommen wäre und nun gefällt sie mir von Tag zu Tag mehr. So war das schon immer mit meinen wirklich großen Veränderungen.

Seit letzter Woche befinde ich mich in einer weiteren Parallelwelt. Es ist die Berlinale, auf der ich mich treiben und hetzen lasse. Ich bin alleine mit mir und den vielen Filmen, musste erst wieder lernen, mich auf Geschichten einzulassen, ohne Blick auf die Uhr oder das Mobiltelefon. Zwischen den Vorführungen eile ich durch Menschenmassen, nur um mich erneut mit vielen anderen Personen in eine Schlange zu stellen, in ein weiteres Kino zu setzen, eine neue Geschichte zu erleben. Wir sind so viele und dennoch sind wir meist nur bei uns selbst. Als ich abends erschöpft nach Hause fahre, fühle ich mich allein wie lange nicht mehr. Ich denke an jene zwei Menschen, die mich momentan am meisten beschäftigen, weil Dinge zwischen uns nicht geklärt sind. Von einem der beiden möchte ich mich verabschieden, weil das Schöne zwischen uns gewichen ist, ich mich schon seit geraumer Zeit nicht mehr wohl fühle. Vom anderen habe ich längst noch nicht genug gesehen, aber da bin es nicht ich, die das entscheidet.




04/02/2013
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Ich bin fünf Minuten zu spät, weil ich mich in den Hinterhöfen verirrt hatte, doch in einer jungen Internet-Agentur, wo sich alle duzen, spielt das offenbar zum Glück keine Rolle. Der Geschäftsführer ist krank, deshalb führt ein anderer junger Mann das Bewerbungsgespräch mit mir. Er rutscht nervös auf seinem Stuhl herum, seine Hand landet immer wieder unbeholfen im Gesicht oder fährt durch sein Haar. Ich bin weitaus weniger angespannt und ein wenig amüsiert über jenes ungewöhnliche Gefälle.

Nachdem ich zuerst von mir erzähle und anschließend auch endlich Fragen stelle, um mehr über die Firma zu erfahren, die zu wenig über sich auf der Webseite preisgibt, stellt sich heraus, dass hier ausschließlich Suchmaschinenoptimierung gemacht wird. Ich kann das nicht, denke ich, und eine Minute später sage ich das auch meinem Gegenüber. Er ist erstaunt. Allerdings pflichtet er mir bei, als ich erkläre, dass ich nichts davon halte, so zu tun als ob. Ich bin ein bisschen erleichtert, denn der große Büroraum, den ich zuvor durchschritten hatte, war mit dunklem Teppich ausgelegt, viele leere Schreibtische standen herum, nur zwei weitere Mitarbeiter befanden sich noch im Raum, die weder sprachen oder lächelten. An den Wänden hingen keine Bilder. Ich hätte es hier nicht einmal zwei Monate ausgehalten.

“Ich will, dass Sie etwas finden, das Ihnen Spaß macht. Nur so weiß ich auch, dass ich Sie nicht mehr wiedersehe.” hatte die Arbeitsberaterin letzte Woche zu mir gesagt. Sie hat mich damit ermutigt, heute ehrlich zu sein.