23/04/2017
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Tränen wegen einer fiktiven Serienfigur vergossen.

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Du suchst das Missverständnis nicht, schreibt er, und mir wird das erstmals überhaupt so recht bewusst. Ich will immer Klarheit haben, ich mag es nicht, im Ungewissen zu sein. Gleichzeitig bin ich auch stets bereit, diese Klarheit zu geben, und ziehe mich mittlerweile zurück, wenn beides nicht (mehr) möglich ist.

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Nach dem Serientod fege ich den Boden und höre dabei das Lemonade-Album. Vor einem Jahr begleitete es mich, als ich eine Woche lang die Wohnung putzte, um sie meiner Zwischenmieterin guten Gewissens übergeben zu können. Ich hörte es auch während meines Fluges nach Tokio, und dann häufig, wenn ich mit der Chuo Line zur Sprachschule fuhr. Ich habe es seit meiner Rückkehr schon oft gehört, es längst mit neuen Eindrücken verknüpft, doch heute wiegen lediglich ganz schwer die Erinnerungen aus Japan auf meiner Brust. Die aus meiner ersten Zeit, als noch so viele Wochen und Möglichkeiten vor mir lagen und Mamas Erkrankung nicht schon wie ein rasender Asteroid einen Krater in mich gerissen hatte. Das Loch ist inzwischen längst zugeschaufelt, doch die Gedanken daran werde ich nicht mehr los. Ich wünsche mir manchmal, mein halbes Jahr in Japan auf einem zweiten Zeitstrahl erleben zu dürfen, in dem Mama gesund und ich unbeschwert bin.

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Jaja, immer nach vorne sehen. Morgen dann wieder. Versprochen.




22/04/2017
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Schon vor Wochen haben wir die Absage für die Einreichung unserer Performance erhalten. Nun stehen wir dennoch im Programm der re-publica, ohne dass man uns darüber informierte – und keine von uns hat Zeit, etwas vorzubereiten, ich nicht einmal, um tagsüber vor Ort zu sein. Doch ich muss an die Verabredung dort denken, die im Raum steht.

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Fünf Zentimeter kürzere Haare.

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Ich will an diesem Wochenende viel schlafen und vor allem nicht reden.




21/04/2017
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Dem irren Impuls widerstanden, das einzig schöne Fahrrad im ganzen riesigen Markt zu kaufen, weil es absurd gewesen wäre, 500 Euro auszugeben, wo ich doch ohnehin nur kurze Strecken damit zurücklegen werde. Zum Weißensee, in den Park, vielleicht mal um Berlin herum. Ich vermisse das rosa Rad aus Tokio heute schmerzlich.

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Vor meiner Wohnungstüre steht ein riesiges Amazon-Paket. Bitte lass es nicht aus Köln sein, denke ich, weil mich das unglaublich unter Druck setzen würde. Dann wieder, dass ich vielleicht selbst etwas bestellt habe und mich einfach nur nicht mehr daran erinnern kann – was ich wiederum ganz schrecklich finde. Als ich den Deckel öffne, finde ich die Amygdala-Vinyl von DJ Koze und ein Buch über Laurent Garnier. Für unsere Technowiederauferstehung. Happy Birthday tollste Maike <3 steht unter anderem auf dem beigefügten Zettel, und ich muss so lachen, weil der Lieblingsfreund und ich jedes Frühjahr aufs Neue davon sprechen, im kommenden Sommer aber nun wirklich endlich mal auf ein paar Open Air Parties zu gehen. Klar, dass wir es dieses Jahr ernst meinen!

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Bier, Schokolade, Laugencracker, Gummibärchen. Und die Sehnsucht, bereits vor neun Uhr schlafen zu gehen.