22/01/2018
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Jedes Telefonat, jede Begegnung mit der inzwischen 98jährigen Großmutter mündet in Beleidigungen. Ich sei zu dick. Ich habe keinen Mann. Sie erzählt mir von den Kindern früherer Schulfreundinnen. Ohnehin sei ich viel zu selten da und andere werden als Hebel eingesetzt, mir ein schlechtes Gewissen zu machen: Deine Mutter fände es auch schöner, wenn du häufiger zu Besuch kommst! Dein Vater, ach der hat doch nur dich! Dein Cousin kommt auch so oft aus München angereist. Mit dem Bus! Wieso besuchst du mich immer nur so kurz?

Es ist wenig von ihr übrig. Geblieben ist der manipulative, gehässige Kern – gepaart mit einer fanatischen Gottesfurcht. Ich habe beschlossen, sie nicht mehr zu besuchen und nicht mehr anzurufen, denn sie bringt mich jedes Mal zum Weinen.

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Es gefällt mir und gefällt mir nicht, wenn du mir betrunken schreibst. Ich will dich anschreien und fragen, wieso du das machst. Wieso du sagst, du gehst lieber hinter als vor mir die Treppe hinauf, wegen der Aussicht. Die ist tabu für dich. Mein Arsch, meine Pussy. Go, fuck your girlfriend.

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Der andere stellt mir Konzertkarten in Aussicht. Es wäre irgendwie unerhört, gingen wir gemeinsam dorthin. Und dann klappt es nicht, aber wir sind ja ohnehin für den nächsten Abend verabredet. Es ist das Date.

Wie immer kneifst du. Dieses Mal ist deine Angst so groß, dass du es nicht einmal wagst, abzusagen. So ist dieses Kapitel für mich jetzt endlich zu Ende. Go, fuck yourself.




16/01/2018
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Die Ringbahn fällt aus, also steige ich in jene auf der anderen Seite des Bahnsteigs, die gegen den Uhrzeigersinn fährt. Sie benötigt zehn Minuten länger, wird mich jedoch wenigstens ans Ziel bringen. Es hat über Nacht geschneit. Draußen scheint die Sonne, ich höre meinen Spotify-Mix der Woche, und bereits die ersten Stücke sind so passgenau, dass es mich kurz ein wenig gruselt. Währenddessen blicke ich aus dem Fenster, fahre an mir unbekannten Gebäuden und Graffiti vorbei. Nichts ist vertraut, der Morgen fühlt sich anders an als all jene der letzten Monate. Mich durchströmt unerwartet Freude, selbst die lärmende Schulklasse, die gerade eingestiegen ist, stört mich nicht. All das ist nicht selbstverständlich – noch gestern habe ich als Antwort auf die Frage, wie es mir geht, angefangen zu weinen, weil ich erschöpft bin. Kaum ein Tag ohne Überstunden ist bisher in diesem Jahr vergangen und ich leide unter den Abläufen und Zuständen im Team, für die niemand von jenen etwas kann, mit denen ich täglich und wunderbar zusammen arbeite. Ich habe bisher keine Nacht durchgeschlafen und hinzu kommt eine schwierige Familiensituation, meine Erkältung, starke Rückenschmerzen sowie die Aufgabe, jenen Menschen gehen zu lassen, der noch vor einer Weile so wichtig für mich war.

Heute Morgen fühle ich zum ersten Mal echte Unabhängigkeit und keinerlei Wehmut, die an den Verlust der Verliebtheit manchmal noch eine Weile gekoppelt ist. Das ist ja das Sonderbare, dass man selbst im Schmerz dieses Gefühl zuerst nicht hergeben mag. Aber nicht so heute, und das ist wirklich das Beste seit Wochen.

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Ich habe bis vor kurzem ständig gedacht, nicht interessant und außergewöhnlich genug gewesen zu sein. Dabei war der Platz stets besetzt für eine Frau, die uswusf. Ich weiß inzwischen, dass ich – ganz im Gegenteil – viel zu außergewöhnlich bin, und eine recht genaue Vorstellung davon habe, wer ich bin, was ich will, und wie unerwartet viel ich geben kann.

Danke für all die wunderbaren Dinge, die ich mit dir über mich erfahren habe.

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Somehow the wonder of life prevails.




11/01/2018
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Im Treppenhaus riecht es nach Gras und seit sehr langer Zeit stelle ich es mir wieder angenehm vor, welches zu rauchen. Die ersten beiden Arbeitswochen des Jahres sind anstrengend.

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Wir schreiben uns beinahe, als sei nichts passiert, und doch ist alles anders. Ich kenne dieses emotionale Gefüge aus der Vergangenheit. Es ist mir so vertraut, dass ich gut damit umgehen kann.

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A guitar and a heart.