18/01/2015
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Der Samstag hat eigentlich nicht stattgefunden, da ich zu lange geschlafen und den Rest des Tages bis tief in die Nacht hinein mit störrischen PHP-Dateien verbracht habe. Es tut gut, heute früher aufzuwachen und draußen blauen Himmel zu sehen.
Ich liege herum, lese ein wenig, gucke Löcher in die Luft – und weiß, dass ich nach draußen muss. Ich denke darüber nach, zum Weißensee zu fahren, um ihn ein oder zwei Mal zu umrunden. Zu spät merke ich, dass heute am Herrmannplatz eine Demonstration wegen des ermordeten Khaled Idris Bahray stattfindet. Ich hatte mir doch vorgenommen, so oft es mir möglich ist, bei solchen Veranstaltungen präsent zu sein.

Ich bin träge, lasse mich treiben. Erst kurz vor drei verlasse ich das Haus. Draußen sind zu viele Menschen. Anstatt zum See zu fahren, mache ich mich auf die Suche nach einem Café, um dort Japanisch zu lernen. Doch egal, wohin ich gehe, welche Türe ich öffne: alle Tische sind besetzt, Bedienungen gucken teilnahmslos zu mir hinüber. Es ist kein Platz für mich. Nirgends.

Das letzte Café, das in Frage kommt, liegt etwas abseits. Dort sind viele Tische frei und der Druck auf meiner Brust und im Kopf lässt nach, als ich meine Tasche auf einen der Stühle lege. Wie schwer es mir zurzeit fällt, alleine zu sein. Sich von Belastungen mit anderen Belastungen abzulenken funktioniert nur, solange keine Zeit zum Denken da ist. Am schwersten wiegt das Aneurysma. Vermutlich wird meine Mutter es operieren lassen. Ich hatte sofort gesagt, dass ich in Freiburg sein möchte, wenn es soweit ist. “Was willst du denn dann hier?” fragte sie mich. “Wenn etwas schiefgeht, kannst du immer noch herkommen.”




16/01/2015
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Noch vor ein paar Wochen schien es mir unmöglich, während der Arbeit so viel zu lachen, dass im Anschluss die Wangenknochen schmerzen.




15/01/2015
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Alles, was mit meinem Leben in Düsseldorf zu tun hat, ist weit fort. Weiter fort als sieben Jahre. Ich versuche, ein Formular auszufüllen, das Fakten von damals abfragt. Mir fällt der Name der Psychiaterin einfach nicht mehr ein, und als ich Google Maps öffne, um mich auf diese Weise vielleicht an ihre Adresse zu erinnern, finde ich mich überhaupt nicht zurecht. Ich habe jegliches Gespür für die Stadt verloren, weiß nicht einmal mehr, in welcher Himmelsrichtung ich gewohnt habe und welchen Weg ich nahm, um zur Praxis zu gelangen. Ich erinnere mich noch, dass die Psychiaterin einen komplizierten Namen hatte – und dass sie ihren Job nicht gut machte. Ich war nur schon längst nicht mehr in der Lage gewesen, mir eine andere Ärztin zu suchen.

Nach einer Viertelstunde erscheint der Name in Zeitlupe. Ich schüttele den Kopf, weil mir die Erinnerungs- und Gefühlsfetzen völlig absurd vorkommen. Als habe ich nie in Düsseldorf gelebt, als sei es eine anderen Person gewesen mit jenem schrecklichen Alltag, mit diesem anstrengenden Kummer.

Mir geht es heute gut im Vergleich zu damals. Es ist so vieles anders. Ich habe mich dennoch dafür entschieden, wieder eine objektive Person an meiner Seite zu haben; zumindest für die nächsten 25 Wochen. Denn das, was ist, so wie ich bin, genügt mir nicht.