17/02/2017
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Wie man sich immer im Schnelldurchlauf gegenseitig die ganzen Beziehungsgeschichten erzählt, um die Andere besser zu verstehen.

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Wir haben uns vor 30 Jahren kennengelernt, als wir gemeinsam zur Schule gingen, und manchmal habe ich den Eindruck, es sind nicht mehr viele von damals übrig geblieben, die nicht so geworden sind, wie ihre Eltern. Ich war seinerzeit bei einem Jugendclub-Auftritt seiner Band und die Musik war furchtbar. Während der heutigen Plattenreleaseparty sieht es jedoch ganz anders aus.
Wir machen zusammen ein Selfie, damit ich es unserer Schulfreundin schicken kann, die ich erst im November sah, mit der Bitte, endlich einmal zu uns nach Berlin zu kommen.




16/02/2017
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Ich unterhalte mich lange mit dem jungen Japaner, der mir später beim Interview mit den Schauspielern für mich übersetzen wird. Irgendwann sprechen wir darüber, wie es ist, weit weg von Zuhause im Ausland zu leben. Er wohnt alleine, so wie ich die letzten drei Monate in Tokio, und fragt mich, ob ich mich dort manchmal einsam gefühlt habe. Ja, sage ich. Ich war vor allem gegen Ende sehr, sehr einsam, auch wenn ich Tokio geliebt habe. Er will wissen, was ich gegen dieses Gefühl unternommen habe. Ich verweise auf Netflix und Kunstausstellungen, zucke mit den Schultern. Und was machst du? frage ich zurück. Ich gehe oft ins Museum sagt er.

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Diese professionelle, distanzierte Freundlichkeit von Schauspielern muss man aushalten können. Ich bin wider Erwarten nicht schlecht darin. Als mein Übersetzer damit beginnt, eine der Antworten ins Englische zu übertragen, und ich ihn mit 分かった – ‘ich hab’s verstanden’ in eher legerem Japanisch – unterbreche, lacht der Schauspieler kurz. Es ist kein aufgesetztes, höfliches Lachen, es ergibt sich spontan, verleiht seinem ernstem Gesicht jenen wunderschönen, fröhlichen, betörenden Ausdruck, dem ich ein wenig verfallen bin. Wir sehen uns dabei kurz in die Augen und das soll mir reichen.

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Wir haben uns gerade erst über eine gemeinsame Freundin gefunden, da fragt sie, ob ich morgen nach dem Kino noch mitkommen will zur Album-Release-Party der Band ihres Ex-Freundes, gleich in der Bar bei mir um die Ecke. Ich fange an zu lachen, denn zu der Veranstaltung wäre ich gerne gegangen, es mangelte mir jedoch an einer Begleitung. Für mich ist es die Album-Release-Party der Band eines Mannes, mit dem ich 1989 ein Jahr lang zur Schule ging. Jaja, alles Zufall.




15/02/2017
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Am Horizont steigt Rauch aus dem Fabrikschornstein, ein grauer, wolkiger Schweif, hineingemalt in den pudrigen Sonnenaufgangshimmel. Ich hatte vergessen, wie sehr ich es draußen mag um diese Uhrzeit.

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Vielleicht klappt es, dass du schon früher für uns arbeiten kannst, ist der schönste Satz, den ich heute höre, und ich stelle mir vor, wie ich wieder einen normalen Alltag habe, nur dass es dieses Mal der richtige ist.

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Abends lese ich mehrfach die Interview-Fragen laut vor, als ob das von Bedeutung wäre, wo sie morgen doch ohnehin ins Japanische übersetzt werden. Aber so fällt mir auf, dass eine andere Reihenfolge viel besser ist. Ich werde nur zwanzig Minuten mit den beiden Schauspielern haben – das reicht nie für all die Dinge, die ich wissen möchte. Und dann ist da noch die Frage, ob sie für Nanami ein Selfie mit mir machen. (Für mich natürlich auch.)

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Ich darf nicht vergessen, der Regisseurin nachträglich zum Geburtstag zu gratulieren und ihr für die wunderbare Brille ein Kompliment zu machen. Komplimente machen ist sowie nach wie vor das Beste, vor allem wenn sie Frauen gelten.