01/05/2017
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Nach drei Tagen Ruhe bin ich endlich wieder bei mir angekommen. Aufgrund der letzten zwei Monate hatte ich fast wieder vergessen, wie sich das anfühlt, dabei war ich so gut darin.

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Tinder installiert und nach wenigen Minuten wieder deinstalliert. Noch bevor ich überhaupt mein Profil fertig ausgefüllt hatte, weil mich die letzten vier Wochen ohne das ständige Bewerten von Männern, mit denen ich mich sonst gar nicht auseinandersetzen müsste, milder gestimmt haben.

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Dieser Juckreiz an den Ellenbogen, der auf einmal Juckreiz an allen möglichen Stellen am Körper auslöst, gleich einer Kettenreaktion, die offenbar irgendwo im Gehirn ausgelöst wird. Hatte hier gerade noch einen schiefen Vergleich mit negativen Gedanken stehen.

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Es ist anstrengend, dass die Luft immer noch so kalt ist.




30/04/2017
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Nach wie vor wabert die reflexhafte Aussage in meinem Kopf herum, wer sich am Blackfacing auf der Geburtstags-Party mit dem Thema Disco störe, müsse dann eben gehen. Ich werde also nicht extra dafür nach Süddeutschland reisen, mir stattdessen für den Vorabend eine Konzertkarte kaufen und vielleicht am nächsten Tag nach Tokio fliegen.

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Ich lese die Nachrichtenwechsel der letzten Tage durch und frage mich, ob du auch dieses Mal kneifen wirst, weil du deine eigene Diskrepanz nach wie vor nicht aushältst. Außerdem: Pandora uswusf.

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Mein Japanisch wird immer schlechter und ich habe gerade keine Kapazität, diesen Prozess aufzuhalten. Abends schaue ich wenigstens eine arte-Dokumentation über Tokio und schreie irgendwann aufgeregt Chuo Line in Richtung Fernseher, weil ich die vorbei rasende Aussicht von meinem täglichen Weg zur Schule kenne. Ein Teil von mir könnte schon wieder für Monate dorthin verschwinden. Dabei ist das Gras dort gar nicht grüner.

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Die DVBT-Umstellung hat dafür gesorgt, dass ich Privatsender nun nicht einmal mehr ausnahmsweise beim Zappen schaue. Ich zappe auch nicht mehr, sondern sehe mir nur noch zielgerichtet Sendungen an, die ich in öffentlich-rechtlichen Mediatheken oder auf Netflix finde. Well played.




25/04/2017
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Morgens koche ich seit langem mal wieder Kaffee, füge diesem einen Teelöffel Kokosöl sowie einen mit Butter hinzu, schlage das Ganze mit dem Pürierstab schaumig und fülle es in den Coffee-to-go-Becher. An der Tram-Haltestelle halte ich meine Nase über die kleine Öffnung und inhaliere gierig den Kokosduft. Bereits an der Storkower Straße habe ich den Bulletproof Coffee leer getrunken und in Neukölln verspüre ich bereits jenen koffeeinbedingten Durst, jedoch ohne den sonst dazugehörigen Schwindel. Im Büro bin ich albern und überdreht, bloß nicht am Schreibtisch sitzen! Stattdessen baue ich das Catering für einen Workshop auf, trage Flaschen ins erste Stockwerk, Schüsseln mit Obst, Gläser, koche Massen an Kaffee, beantworte Fragen, baue Tische ab, hänge Whiteboards um, erkläre den Weg nach oben.

Zwar habe ich tagsüber ein paar müde Momente, doch selbst am Abend ist da immer noch ein ungewohnter Bewegungsdrang. Es wird Zeit, dass der eisige Wind verschwindet. Morgen halte ich mich an den Ratschlag, noch mehr Kokosöl zu verwenden.

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I don’t fear what I want : )

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Meine jetzige Arbeit erscheint mir wie eine wundervolle Mischung aus den meisten Jobs, die ich bisher hatte: Die Jahre im Plattenladen, in der Agentur, bei der Filmproduktion, der Zeitung, ja selbst die vielen Kellnerjobs nebenher, sind mir jetzt eine Hilfe, und demnächst kommen ganz neue Dinge hinzu.

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It’s a risk just to exist. I’m so glad to be alive!