10/07/2017
..

Ausgerechnet am Muttertag von ihrer erneuten Erkrankung erfahren zu haben, fand ich mehr als zynisch. Es war mühsam, mich nicht wieder vom Ölteppich umspülen zu lassen, der das Atmen jeden Tag erschwert. Vor lauter Funktionieren und Verdrängen habe ich in den letzten Wochen vergessen, auf mich aufzupassen, und dazu gehörte auch das abendliche Innehalten, die Auseinandersetzung mit dem Tag, das Aufschreiben.

*

Gestern über 15 Kilometer zu Fuß gegangen, meist von Treptow aus am Ufer der Spree entlang, dorthin, wo nur noch wenige Menschen waren. Weil ich wegen der (falschen) Aussicht auf nicht all zu gutes Wetter sowohl auf eine Decke als auch Getränke in der Tasche verzichtet hatte, saßen wir später dann aber doch auf einem der klischeehaften Restaurantboote in der bereits schräg stehenden Sonne. Während wir uns unterhielten stieg mir die Weißweinschorle angenehm zu Kopf, und es lag ja noch der halbe Abend vor uns! Später dann in Kreuzberg im japanischen Restaurant ein Cocktail, der 金魚 – kingyo – Goldfisch hieß, weil zwei darin schwimmende Chilischoten so taten als ab.

*

Nun will ich mir aber mal die Blondine ansehen! sagte ein Mann in Richtung der Frau im Vierersitz neben unserem, als wir mit der U8 zum Alexanderplatz fuhren, wo sich unsere Wege trennen würden. Erst nach ein paar Sekunden fiel uns auf, dass ein Hund gemeint war und wir fingen an zu lachen. Ich wäre gerne weiter gefahren.

*

Zum Abschied einen noch nicht vertrauten Hals geküsst.

Kommentieren