23/04/2017
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Tränen wegen einer fiktiven Serienfigur vergossen.

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Du suchst das Missverständnis nicht, schreibt er, und mir wird das erstmals überhaupt so recht bewusst. Ich will immer Klarheit haben, ich mag es nicht, im Ungewissen zu sein. Gleichzeitig bin ich auch stets bereit, diese Klarheit zu geben, und ziehe mich mittlerweile zurück, wenn beides nicht (mehr) möglich ist.

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Nach dem Serientod fege ich den Boden und höre dabei das Lemonade-Album. Vor einem Jahr begleitete es mich, als ich eine Woche lang die Wohnung putzte, um sie meiner Zwischenmieterin guten Gewissens übergeben zu können. Ich hörte es auch während meines Fluges nach Tokio, und dann häufig, wenn ich mit der Chuo Line zur Sprachschule fuhr. Ich habe es seit meiner Rückkehr schon oft gehört, es längst mit neuen Eindrücken verknüpft, doch heute wiegen lediglich ganz schwer die Erinnerungen aus Japan auf meiner Brust. Die aus meiner ersten Zeit, als noch so viele Wochen und Möglichkeiten vor mir lagen und Mamas Erkrankung nicht schon wie ein rasender Asteroid einen Krater in mich gerissen hatte. Das Loch ist inzwischen längst zugeschaufelt, doch die Gedanken daran werde ich nicht mehr los. Ich wünsche mir manchmal, mein halbes Jahr in Japan auf einem zweiten Zeitstrahl erleben zu dürfen, in dem Mama gesund und ich unbeschwert bin.

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Jaja, immer nach vorne sehen. Morgen dann wieder. Versprochen.

  1. 24/04/2017
    Henrike

    Liebe Maike,

    ich lese seit Jahren still mit und wollte einfach mal danke sagen für deine wunderbar poetischen und ehrlichen Texte, ich lese sie unglaublich gerne.
    Alles Gute für dich!

  2. 24/04/2017

    Liebe Henrike, Dankeschön! (Auch für’s Lesen.)
    Dir ebenfalls alles Gute!

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