18/04/2017
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Ich könnte so tun, als sei gar nicht zufällig genau ein Monat, sondern lediglich ein Tag seit dem letzten Eintrag vergangen. Wie gut ich eingerichtet war in meinem Leben, mit ausgefüllten, jedoch gemütlichen Stunden. Dann die 180-Grad-Wende, auf deren Auswirkungen ich nicht vorbereitet war. Inzwischen gehe ich manchmal bereits vor zehn Uhr schlafen, weil es mir sonst nicht gelingt, den nächsten Tag unbeschadet zu überstehen. Mit der Unausgeschlafenheit geht eine Traurigkeit einher, die ich verdrängt hatte, und vorher ohnehin in keinen Zusammenhang bringen konnte, weil sie fast immer da war.

Generell will, ja muss!, ich lernen, mich wieder zu finden zwischen all den Terminen, Ringbahnfahrten, unerfüllten Verpflichtungen, Deadlines und Kurzreisen. Ich lese unterwegs keine Nachrichten mehr, selten Twitter, stattdessen Geschichten – auch vorm Schlafengehen. Ich zwinge mich zum Rückenyoga, warte auf das schöne Wetter, um abends walken zu gehen, auch wenn ich mich damit der Lächerlichkeit preisgebe, doch ich hasse Laufen, das früher einmal Joggen hieß. Ich koche Suppen, räume die Spülmaschine ein, hänge Wäsche auf und streichle die Katzen, anstatt apathisch auf dem Sofa zu sitzen. Ich gehe zur Lieblingseisdiele trotz der Kälte.

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Mehr oder weniger incognito und sonderbar frei habe ich meinen Geburtstag verbracht. Der schönste Moment war jener, in dem die Anspannung der Woche von mir abfiel, kurz nachdem ich im Flugzeug nach Großbritannien meinen Platz eingenommen hatte. Nach zwei Tagen in London frage ich mich schon, weshalb ich früher noch nie dorthin gereist bin. Vielleicht wäre ich dann nach der Schule gar nicht nach Italien gegangen. Ich merke jedoch auch, dass ich nach dem halben Jahr Tokio immer noch lustlos bin, eine Stadt alleine zu erkunden. Dennoch werde ich diesen Sommer Lissabon sehen. (Fakten schaffen, indem ich werde statt will schreibe.)

Ich verschicke ein Foto von mir vor dem Bowie-Memorial in Brixton. Oha lautet die Antwort. Dann tagelang Stille, bis ich ein Landschaftsbild aus dem Osterurlaub erhalte. Oha ;) antworte ich genervt, und er schreibt Oha :) zurück. Ich reagiere darauf nicht mehr. Seit ich ihm verboten habe, mir sexuelle Nachrichten zu schicken, solange er sich nicht traut, das Geschriebene auch umzusetzen, ist unsere Kommunikation ziemlich uninteressant geworden.

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I never did anything out of the blue. Nach einer Woche finde ich endlich Raum in mir, auf eine E-Mail zu antworten, die mich an jene vergangenen Tage erinnert, als sich Bekanntschaften noch anbahnten, weil man sich eine Nacht lang durch die öffentlichen Notizen eines anderen Menschen gelesen und die Projektion ganze Arbeit geleistet hatte.

We’ll take the tide’s electric mind. Ich weiß nicht, wie meta das nun wird hier. Also auch wie früher.

  1. 19/04/2017

    Gerne ganz viel meta und Kryptik. Das muss doch auch heute noch gehen.

  2. 19/04/2017

    <3

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