08/07/2013
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Die Türen zum Theatersaal gehen endlich auf, ich eile ganz nach vorne und setze mich in die erste Reihe auf den mittleren Platz. Mein Fangirl-Verhalten ist mir ein bisschen peinlich, aber schlimmer fände ich es, weiter hinten oder am Rand zu sitzen.
Die Bühne hat eine angenehme Höhe, ich kann ohne den Nacken nach hinten zu beugen einfach geradeaus schauen, um alles zu sehen. Die Instrumente stehen bereit.

Ich hatte angenommen, dass ich weinen müsste, denn ich bin erschöpft, doch das Gegenteil ist der Fall: Ich werde von Stück zu Stück leichter. Ich lausche der Musik, beobachte die Musiker und auch die visual artists, die mittels eines Gestells und allerlei Hilfsmitteln weitgehend analog die Leinwand hinter der Band bespielen.
Ab und zu gibt es verhaltenen Zwischenapplaus. Das ist hier eine ganz andere Situation als bei einem gefälligen Popkonzert. Music for theatre steht in Klammern hinter dem Albumtitel. Dann standing ovations.

Ich bin dankbar, dass es Menschen gibt, die Musik komponieren und spielen können, die mich dergestalt berührt. Das war bereits beim ersten Stück so, das ich von Apparat hörte, und während immer mehr Menschen in meinem Umfeld das Interesse an seiner Musik verlieren, je ruhiger, experimenteller und vielschichtiger sie wird, desto besser fühle ich mich hingegen erkannt. Manchmal schmerzt es mich fast, jene Stücke zu hören. Könnt ihr es denn nicht fühlen?

‘Na, wie fandest du es?’ fragt eine junge Frau ihre Bekannte, die sie in der Nähe der U-Bahn-Haltestelle trifft. ‘Ach hm. Eigentlich nicht so gut.’ Den Rest höre ich schon nicht mehr, denn ich steige schnell die Treppe hinab in den Untergrund. Mein Brustkorb war heute sehr weit geöffnet.

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Krieg und Frieden in Paris 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9.

  1. 09/07/2013
    murasaki

    musik rettet. immer immer wieder.

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