04/02/2013
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Ich bin fünf Minuten zu spät, weil ich mich in den Hinterhöfen verirrt hatte, doch in einer jungen Internet-Agentur, wo sich alle duzen, spielt das offenbar zum Glück keine Rolle. Der Geschäftsführer ist krank, deshalb führt ein anderer junger Mann das Bewerbungsgespräch mit mir. Er rutscht nervös auf seinem Stuhl herum, seine Hand landet immer wieder unbeholfen im Gesicht oder fährt durch sein Haar. Ich bin weitaus weniger angespannt und ein wenig amüsiert über jenes ungewöhnliche Gefälle.

Nachdem ich zuerst von mir erzähle und anschließend auch endlich Fragen stelle, um mehr über die Firma zu erfahren, die zu wenig über sich auf der Webseite preisgibt, stellt sich heraus, dass hier ausschließlich Suchmaschinenoptimierung gemacht wird. Ich kann das nicht, denke ich, und eine Minute später sage ich das auch meinem Gegenüber. Er ist erstaunt. Allerdings pflichtet er mir bei, als ich erkläre, dass ich nichts davon halte, so zu tun als ob. Ich bin ein bisschen erleichtert, denn der große Büroraum, den ich zuvor durchschritten hatte, war mit dunklem Teppich ausgelegt, viele leere Schreibtische standen herum, nur zwei weitere Mitarbeiter befanden sich noch im Raum, die weder sprachen oder lächelten. An den Wänden hingen keine Bilder. Ich hätte es hier nicht einmal zwei Monate ausgehalten.

“Ich will, dass Sie etwas finden, das Ihnen Spaß macht. Nur so weiß ich auch, dass ich Sie nicht mehr wiedersehe.” hatte die Arbeitsberaterin letzte Woche zu mir gesagt. Sie hat mich damit ermutigt, heute ehrlich zu sein.

  1. 04/02/2013

    Yes Sir!!!! Alles richtig gemacht.

  2. 04/02/2013
    Peter Meyer

    Völlig richtig gehandelt, wenn schon die Umgebung nicht stimmt, dann wird es auch nie etwas werden. Sich permanent die Welt schön reden, wäre das die Alternative?

  3. 04/02/2013

    Daumen hoch.

  4. 04/02/2013

    Erhobenen Hauptes.

  5. 05/02/2013

    Ich bin in einer ähnlichen Situation. Ähnlich, weils zwei Abweichungen gibt: erstens darf ich mir Zeit lassen und musste nicht gleich entscheiden. Zweitens war da alles voll toll. Also alle voll nett, tolle Räume und viel Geld. Nur eben auch viel Arbeit. Und dann kann ich weniger Literatur machen.
    Und jetzt will ich auch absagen. Wiederum wie Du: Um eben etwas zu behalten, das richtig Spaß macht.
    Tschüß

    ChK

  6. 05/02/2013

    Die Arbeitsberaterin hat es auf den Punkt gebracht. Guter Satz.

    Und: All der Wahnsinn, die Aufregung, die Anstrengung einer Einarbeitungszeit, etc. lohnen sich nicht, um einen ungeliebten Job nach wenigen Monaten zu verlassen. Das ist auch für Sie zu anstrengend.

    Dennoch natürlich: Viel und baldigen Erfolg beim Stelle-Finden. Möge genau das Richtige auf Sie herabfallen, bei dem Sie mit Freude und Perspektive arbeiten können.

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