ruhepuls

20. April 2007

‘Gewalt ist keine Lösung’ gemahne ich mich selbst und schiebe dennoch mit Hilfe beider Hände und sehr viel Kraft den Rest des Sofabezugs in die viel zu kleine Waschmaschinentrommel. Der zuvor zurückgelegte Fussmarsch zum Waschsalon mit einer prall gefüllten geschulterten Ikeatasche, die mir von weitem ein längst in Vergessenheit geratenes, studentenhaftes Aussehen verliehen haben mag, war umsonst, waren doch die einzigen XXL-Maschinen gerade frisch gefüllt worden und trotz meiner freien Zeit wollte ich weder dort warten und zwei verkrachte Existenzen beobachten, wovon die eine sorgfältig in der Nase bohrte, noch den ganzen Tag hoffnungsvoll zwischen meiner Wohnung und dem Reinigungsetablissement im kalten Frühlingswind stramm hin und her marschieren. Wiewohl man gerade dieser Beschäftigung nachsagt, sie rufe eine innere Reinigung hervor und dabei sei es ganz egal, ob Ausgangs- oder Zielpunkt etwas mit Einseifen zu tun habe.

Jetzt lausche ich dem Ächzen meiner völlig überforderten Waschmaschine, erwarte eine 95°-Überschwemmung und eile beim Anschwellen der all zu obskuren Geräusche sofort herbei, um durch das runde Fenster in die Trommel zu starren, die Augen weit aufgerissen: Mit jeder Umdrehung wird die Türe geräuschvoll etwas nach aussen gedrückt.
In der Maschine lebt jetzt also ein wüster Breitcord-Dämon, der recht dringlich Auslass begehrt und mich durch das Bullauge unfreundlich anglotzt.
Nicht verwunderlich, wurde ich doch neulich nachts schon von meiner Stereoanlage beobachtet.
Den Dämon will ich mit einem grosszügigen Schluck Weichspüler besänftigen. Ausserdem rezitiere ich flüsternd Georg Trakls ‘Verfall’ und schmiege mich an die Waschmaschine, die ich dabei mit beiden Armen zu umschlingen versuche.

Noch vor dem letzten Schleudergang schwindet des Sofabezugs Kraft, der Stoff zieht sich erschöpft ins Innere zurück und verhält sich angemessen. Ich lasse mich dazu hinreissen, ihm die Zunge herauszustrecken.
An den Borsten werde ich ihn später herauszerren und dem schädlichen Sonnenlicht aussetzen. Um ihn anschliessend als luftgetrocknete Trophäe über das hässliche alte Ledersofa zu werfen.