ruhepuls

18. April 2007

“Juu aar gordschös!” ruft einer unangebracht in die absolute Stille nach dem Applaus und wenngleich er Recht hat, muss es genügen, die Begeisterung über Joanna Newsoms Gesang und Harfespiel durch aussergewöhnlich lange Ovationen zum Ausdruck zu bringen. Auf einem Barhocker hinter der sogenannten und kläglich ausgefallenen Teilbestuhlung thronend starre ich entweder faszinziert auf Frau Newsoms Finger, die über die Saiten ihrer weissen Harfe fliegen, ihren schräg verzogenen Mund, dem dieser eigenartige Gesang entweicht, den man entweder mag oder sich begruselt davon abwendet oder auf den Schlagzeuger, der – zwar im Anzug, jedoch barfuss – ab und an allerlei Instrumente bedient. Joanna Newsom wirkt nicht so ganz real; ich wünsche mir, wenigstens für einen Tag so ein Mädchen zu sein mit langem, gerade geschnittenem Haar, gehüllt in ein leichtes Sommerkleidchen, Beschützerinstinkte hervorrufend, wie ich es mit meinen ein Meter vierundsiebzig, Schuhgrösse 39 und absoluter Unzierlichkeit niemals erlebe.
Sie spielt alle mir lieben Stücke und auch jene, die mir zu sehr ins Folklohistorische abdriften und mich imaginär auf einen dieser seltsamen Mittelaltermärkte schicken, die ich aus Gründen noch nie besuchte.
Jedoch: hätte ich es nicht vor geraumer Zeit verlernt, mich in irgendetwas zu verlieren, da zu viele Gedanken Kreise ziehen, ich würde den Abend in völliger Entrückung verbringen. Für Tränen in den Augen reicht es allemal.