15/05/2012
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Erst nachdem ich mir zwei Mangas gekauft habe und jetzt am Rand der Greifswalder Straße auf einem Holzklappstuhl beim Dönermann sitze und einen Dönerteller mit Salat und Tzaziki in mich hinein schaufle, bin ich fast wieder die von Sonntagnachmittag. Scheiß auf den Vegetarismus, aber hey: es ist ja Neuland-Fleisch. Ich habe gerade keine Zeit, mich um Tiere oder die Umwelt zu kümmern, bin mein eigener Notfall.

Ich starre auf die Straßenbahnen, die im Fünfminutentakt hier halten und auf die vorbeifahrenden Autos. Ich bin trotzdem wirklich gerne hier. Die Menschen aus meiner Heimat würden das nicht verstehen. Mein Vater hat mir einmal erzählt, was für großartige, einfache Leute er bei seinen vielen Reisen aufs Land kennenlernen würde. Danach hielt ich einen zwanzigminütigen Monolog darüber, weshalb ich mich dafür entschieden habe, in einer Großstadt zu leben – obwohl ich oft genug die Berge vermisse. Seither habe ich meine Ruhe.

Die blöde Kuh, die eben noch neben mir saß und geraucht hat, hat ihre Papiertüte vergessen. Ich habe sie nicht darauf aufmerksam gemacht als sie ging. Jetzt gucke ich neugierig hinein, es sind teure Vitaminpräparate, die sie sich vermutlich reinpfeift, weil sie zu viel raucht und Döner isst. Wie zuvor geplant reiche ich dem Dönermann die Apothekentüte mit dem Kinder-Em-Eukal-Aufruck, bei dem ich immer an Andrea denken muss, weil sie einmal ein Bild von dem kleinen Jungen auf der Packung geknipst hat. Vielleicht weil er so lächelt und weil er an die Kindheit erinnert. Kirschgeschmack.

Ich will so lange sitzen bleiben, bis mich die Passanten zum Schreiben einer Geschichte inspirieren, doch es geschieht einfach nichts. Ich schraube den Verschluss auf die leere Cola-light-Flasche, bezahle und schiebe mein Fahrrad nach Hause, wo ich später fast ohne Punkt und Komma im Kopf einen Brief schreibe. Die 750 Worte zeigen bereits ihre Wirkung und vor allem gucke ich gerade dabei zu, was Seltsames mit mir und meiner Art zu schreiben geschieht.

  1. 17/05/2012

    Hachje. <3

  2. 18/05/2012

    Der Link zu “https://750words.com” ist nicht korrekt, aber gerade das hat meine Neugierde geweckt. Danke für’s inspirieren.

  3. 18/05/2012

    Oha, ich vergaß doch glatt das httpsundso. Danke für den Hinweis : )

  4. 18/05/2012

    wie schön, dass immer mehr menschen diese seite entdecken.

  5. 18/05/2012

    <3
    (Jetzt hoffe ich, dass es mir gelingt, wieder mehr zu schreiben.)

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