06/07/2010
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Im Januar las ich ein Interview mit Jonathan Safran Foer. Es hatte den Titel “Ich liebe Würste auch. Aber ich esse sie nicht.”, handelte unter anderem von Foers aktuellem Buch “Eating Animals” und nahm mir die Angst davor, irgendwann kein Fleisch mehr zu essen. Weil ich nicht würde sagen müssen, dass ich ab sofort für immer damit aufhörte. Sondern dass ich immer wieder eine neue Entscheidung gegen das Fleischessen würde treffen können. Vegetariersein mit Hintertüre, die man im besten Fall gar nicht benutzt.

Ich habe im Januar nicht aufgehört, Fleisch zu essen. Aber ich habe immer mal wieder an das Interview gedacht und das Buch, ließ das Lesen auf Englisch jedoch bleiben, nachdem ich Isabo beim Suchen nach Worten für die deutsche Übersetzung zuschaute.

Vor geraumer Zeit sah ich Schlachthof-Fotos die einen Preis gewonnen hatten, und als mich dieses Schwein anblickte, hätte ich auf der Stelle weinen können, obwohl ich im Büro saß. Stattdessen habe ich schnell das Browserfenster geschlossen. Das geht nämlich meist ganz gut, das Weggucken und Wegdenken.

Foer, das Schwein und mein Verhalten ließen mir jedoch keine Ruhe. Um herauszufinden, wie viel Fleisch ich eigentlich zu mir nahm, habe ich vor einem Monat mit dem Nichtessen von Fleisch begonnen. Ich dachte nämlich, ich äße wenig davon. So wie jeder, mit dem ich darüber gesprochen hatte.
Tatsächlich war Fleisch häufig Bestandteil meiner Nahrung, wenngleich nicht unbedingt in großen Mengen: Auf dem Bagel, in der Sauce, im Salat, auf dem Flammkuchen, mit den Pommes, zum Gemüse, überm Reis. Ich war überrascht.

“Tiere essen” erscheint in Deutschland erst Ende August. Weil ich aber an anderer Stelle darüber schreiben möchte, habe ich vor kurzem freundlicherweise die Korrekturfahne vom Verlag geschickt bekommen und es heute zu Ende gelesen. Es war ein guter Abschluss für meinen ersten Monat ohne Fleisch.
Ich habe in diesem Zusammenhang auch noch den Film Food Inc. geschaut, weil die Entscheidung, kein Fleisch mehr zu essen, eine schwerwiegende, wenngleich ganz einfache ist, wenn man sich mit der Herkunft des Fleischs beschäftigt, nicht das Browserfenster schließt, sondern es durchsteht, hinguckt und die Zusammenhänge sieht.

Meine Hintertüre ist das Neuland-Fleisch, dem keine Massentierhaltung vorausgeht. Ich habe zwar überhaupt keine Lust darauf, aber es tut gut zu wissen, dass es da ist, weil es mir die Unsicherheit bezüglich der Endgültigkeit meiner Entscheidung nimmt und sie mir so absurderweise möglicher macht.

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