ruhepuls

17. Dezember 2009

Die zwei Zigeuener mittags in der S-Bahn, als ich von der einen Arbeitsstelle zur anderen fahre, Vater und Sohn. Der ältere spielt Lambada auf dem Akkordeon, der jüngere macht mit einem leeren Pappbecher die Runde, bittet flehend um Geld. Die schreckliche Musik – der Mann spielt abgehackt und macht es damit nur noch schlimmer – ist mir längst zu Kopf gestiegen, ich bin ermattet und wütend zugleich. Bahnhof Friedrichstraße steige ich aus.

Ein paar Stunden später gehe ich die Bodestraße entlang, auf der Brücke über die Spree sitzt eine junge Frau und spielt Akkordeon. Die Musik ist schön, sie passt zum Abend und hallt mir schon aus der Ferne entgegen, romantisiert mich. Die Situation ist ein Allgemeinplatz, ich fühle alle je gesehen Filmszenen dieser Art auf einmal, noch bevor ich mir dessen bewusst werde. Eine festgetretene Schneeschicht liegt auf der Brücke und wir sind fast allein dort. Ohne nachzudenken werfe ich der Frau einen Euro in ihren Instrumentenkasten. Wir lächeln uns an.