20/08/2017
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Dürfte ich nur ein einziges Album behalten, dann wäre dies The Devil’s Walk von Apparat, füllt es mich doch seit sechs Jahren mit dem gleichen Ausmaß an Glück und Melancholie.

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Gemeinsam stehen die japanische Freundin und ich vor einem Gemälde in der Berlinischen Galerie. Wie deprimierend! sage ich, denn die Bildunterschrift lautet Tür zum Nichts. Ja, sagt sie. Aber weißt du, was interessant ist? Bei uns würde dies das Gegenteil bedeuten, im Buddhismus ist das Nichts etwas Gutes.

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Wenn ich nur oft genug mit einem Menschen, in dessen Anwesenheit ich mich wohl fühle, etwas essen, Wein trinken, mit ihm schlafen und mich anschließend nackt im Bett liegend unterhalten kann.




18/08/2017
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Als ich das Haus verlassen will, um ein Eis zu essen, setzt Regen ein, und das ist dann auch eine ganz gute Metapher.

Eine halbe Stunde später ist die Luft noch feucht, doch ich kann ohne Schirm hinaus gehen. Die meisten Stühle vor der Eisdiele sind nass und deshalb leer. Pistazie, Kürbiskernöl, Karamell mit Salz. Ich setze mich auf die trockene Bank direkt neben dem Eingang, und es ist angenehm ruhig; ich brauche nicht einmal Kopfhörer, um mich zu entspannen. Musik dringt leise aus dem Verkaufsraum zu mir nach draußen: die Cardigans singen Erase/Rewind. Ich höre irgendwann auf, mitzuzählen, wie viele Menschen Hand in Hand an mir vorbei ziehen.




08/08/2017
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Ich war viel zu lange nicht mehr im Kino. Ich mag es, alleine vor der Leinwand zu sitzen, die Augen zu schließen und Müdigkeit sowie Anspannung davon gleiten zu lassen, während ich darauf warte, dass der Film anfängt. Baby Driver ist eine sonderbare Mischung aus Drama, Komödie, Gangster Movie und romantischem Märchen. Zu Beginn denke ich, ich würde den Film nicht ertragen, denn ich mochte schon das Tanzen und Singen in La La Land nicht und hasse Verfolgungsjagden. Stattdessen dauert es nicht einmal fünf Minuten, bis ich meine Meinung ändere. Am Ende verlasse ich den Saal mit einem glücklichen Lächeln, das ich im weiteren Verlauf des Abends spazieren trage.

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Der Kassierer im Supermarkt ist auf eine unaufdringliche Art fröhlich und zu allen Menschen sehr freundlich. Vielleicht bin ich so kinoglückstrunken aber auch einfach nur besonders empfänglich für seine Bemühungen, die sonst an mir abprallen oder meine Stimmung gar ins Gegenteil verkehren würden.

Als der Mann vor mir die Hälfte seiner bereits bezahlten Lebensmittel am kurzen Ende hinter der Kasse stehen lässt, um eine volle Tasche hinüber zum Einräumtresen zu tragen, geht es für mich erst einmal nicht weiter. Normalerweise bin ich in solchen Situationen genervt, verdrehe womöglich unfreundlich die Augen, doch heute lache ich, gemeinsam mit dem Kassierer. Als der Mann mit entschuldigenden Gesten zu uns zurück kommt, sage ich lediglich Schneller! Schneller! Schneller!, als laufe er einen Marathon, und lasse ihm lächelnd alle Zeit der Welt – zum offensichtlichen Ärger des Mannes, der nach mir dran ist. Es ist mir egal, denn ich bin viel zu dankbar für jene Leichtigkeit, mit der ich selten genug meinen Alltag erlebe.

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Ich habe immer Angst, wenn es um Beziehungen geht, sagt ein Freund zu mir. Ich fühle mich jedesmal, als würde ich einem hungrigen Tiger gegenüber treten. Wir haben es uns so sicher, aber einsam eingerichtet in unserer Unabhängigkeit, denke ich, und stecke ab und zu eine Hand durchs Gitter, während ich in den Raubtierkäfig blicke.