25/07/2017
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In den beinahe zehn Jahren, die ich in Berlin wohne, arbeite ich zum ersten Mal in einem Stadtteil, den ich nicht über den Alexanderplatz erreiche. Ich bin deshalb nur noch selten dort, und wenn es dann doch einmal vorkommt, so wie heute Abend, treffen mich seine Hässlichkeit, seine Brutalität, und die mit ihm verbundene Anstrengung unerwartet. Denn nach wie vor bewege ich mich dort, als sei es belanglose Routine, mein Alltag. Erst jetzt begreife ich, wie schlecht es für mich war, jeden Tag zwei Mal an jenem Ort gewesen sein zu müssen, wo nichts gut ist. Lang lebe die Ringbahn!

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Meinste? frage ich, da fällt mir auf, dass ich heute zum ersten Mal die Therapeutin versehentlich geduzt habe. Siehste! sagt sie später in einem anderen Zusammenhang, und wir lachen.

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Tickets für Wolf Parade im November.
Give me your eyes, I need sunshine.

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Ausgerechnet jetzt findet Das Ende der Liebe – Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit von Sven Hillenkamp zu mir. Ich möchte mich doch vom Gegenteil überzeugen lassen. Nadel, Heuhaufen, whatever.




24/07/2017
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Auf einmal kennt man selbst eine Person, die beim Fahrradfahren von einem Auto übersehen wurde, nun auf der Intensivstation liegt – und niemand weiß, ob sie überlebt. Das weiß angestrichene Fahrrad bei mir an der Kreuzung steht auch immer noch da, und davor die Blumen und Grabkerzen. Ich habe mir zwar ein Fahrrad gekauft, doch ich nutze es nur noch für kurze Strecken und wähle dafür viele Seitenstraßen.

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Wie ich mich der Sicherheit halber immer weiter entfernen will.

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Drei Eis zum Abendbrot.

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Weil es im Oktober in Hokkaido so kalt ist wie in Berlin, habe ich beschlossen, erneut den Südwesten Japans zu bereisen. Ich scrolle mich durch alte Fotos, die ich in Beppu, Hiroshima, Nagasaki gemacht habe – und versuche zu ergründen, wer ich war, als ich noch diese langen braunen Haare hatte.




23/07/2017
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Drei Wochen, in denen ich nicht nur meine, sondern vor allem die Arbeit der Kollegin gemacht habe, die im Urlaub war. Heute habe ich den ganzen Tag geschlafen, als können man da irgendetwas nachholen.

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Vertrauen, ey.

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Mamas Anruf zu später Stunde, sie mache sich solche Sorgen und könne nicht einschlafen, weil sie unbedingt mit mir nach Bregenz zur Carmen-Aufführung fahren wolle. Ich sage, dass ich nicht einfach so weg könne. Das Stück würde zwei Jahre lang gespielt, beruhigt sie mich. Unser Gespräch ist eine Aneinanderreihung von Missverständnissen und Wiederholungen von ihrer Seite. Und ich habe die ganze Zeit den Eindruck, es ginge ihr ums Sprechen, als wolle sie gar nicht mehr auflegen. Ihre Stimme klingt schwer und ich ahne, dass sie sich morgen nicht mehr daran erinnern wird, mich angerufen zu haben.

Inzwischen schläft sie vermutlich, doch bei mir ist nun der Brustkorb aufgerissen, auf einmal wird mir alles zu viel. Die letzten Wochen waren so anstrengend und ich will mir über so viele Dinge keine Gedanken machen müssen, komme jedoch nicht darum herum. Ich gehe davon aus, dass ich diese Nacht wenig schlafen werde und Karten für das Stück, das nur noch bis Ende August gespielt wird, gibt es auch keine mehr.