ruhepuls

28. Juli 2010

Obwohl ich vorher noch gefasst war, beinahe abgeklärt, breche ich in Tränen aus, nachdem ich den Tiertransporter auf den Behandlungstisch gestellt habe. Es gilt ja nicht einmal mehr wirklich abzuwägen, ob die Lili-Katz eingeschläfert werden soll oder nicht.

Später, alleine mit ihr im Nebenraum streichle ich ihr Fell, obwohl sie bereits zwei sedierende Spritzen bekommen hat, und ihr linkes Auge bleibt auch noch dann geöffnet, als sie längst tot ist. Wie ein Halbmond liegt sie da. Es fällt mir schwer, sie einfach dort liegen zu lassen. Etwa eine halbe Stunde verbringe ich so mit ihr, dann bezahle ich mit meiner EC-Karte und nehme den leeren Transporter. Ich fahre mit der Straßenbahn nach Hause ohne zu weinen und telefoniere später mit dem Bestatter.
Die zweite Urne innerhalb von nicht einmal zwei Jahren.

Leb wohl, kleine schwarze Katze.

19. Juli 2010

“Du bist ja wieder in Berlin!” sage ich, nachdem ich die Nummer auf dem Display gesehen habe.
Endlich.

Später trinken wir Bier aus Plastikflaschen, umgefüllt in handliche Gläser. Es ist nur der Kopf, der mittrinkt.

Ich ahne, irgendwann, vielleicht so ab Anfang 30, hinterlässt Musik nur noch nachhaltige Impressionen, wenn extreme Emotionen mit ihr einhergehen. An meiner Glätte der letzten drei Jahre blieb nichts mehr hängen.
Wenigstens kein Liebeskummer.

15. Juli 2010

Das Röntgen meiner Lunge in einer altbackenen Radiologenpraxis erinnerte nicht einmal entfernt an die Durchleuchtung Hans Castorps.

“Der Autor, der das Röntgen-Paradigma als erster aufgegriffen und die Transparentmachung des Körpers bis zur Unsichtbarkeit zum dramatischen Kern eines Romans gemacht hat, ist H.G. Wells. Bereits 1897 erscheint The Invisible Man.”