08/05/2017
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Wuuuusch. Guter Tag.




07/05/2017
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Die Abwesenheit von Frühling löst eine sonderbare Form von Verzweiflung bei mir aus. Auch auf der Arbeit ist es immer noch kalt in allen Räumen, die nicht dauerhaft genutzt werden. Wenn ich unser warmes Büro verlasse, durchquere ich mehrere Klimazonen: von kühl im großen Gemeinschaftsraum bis hin zu arschkalt ausgerechnet auf der Toilette. So erinnert mich nicht nur jeder Blick aus dem Fenster daran, dass es draußen eher herbstlich zugeht.

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Am Freitag sitzen wir drei Stunden lang im St. Oberholz herum und besprechen, wie es mit dem Projekt weitergeht, für das ich erst langsam wieder in Fahrt komme. Außerdem erfahre ich zum ersten Mal etwas über japanische Numerologie, angewandt auf Namen. Die Striche der einzelnen Kanji werden gezählt, auf verschiedene Weisen addiert und jede Summe ergibt möglichst eine Zahl, die für etwas Positives steht. Da es so viele Homophone gibt, kann man Namen auf viele verschiedene Weisen schreiben und tut gut daran, eine Version zu wählen, die sich positiv ins numerologische Deutungsschema fügt. Ich lerne, dass sogar das jetzige Verändern der Schreibweise eines Namens die Zukunft der entsprechenden Person verändern kann. Ich mag es, dass alles mit Energie aufgeladen ist, nicht nur Bäume, Gegenstände oder Orte, ja selbst Zahlen. Erst vorgestern hatte ich mir Gedanken darüber gemacht, wie dieses Shoku-Rei-Zeichen, das im Reiki verwendet wird, denn funktionieren solle. Zwar keine traditionell japanische Technik, jedoch von einem Japaner ge- beziehungsweise er-funden und vor diesem Energie-Hintergrund leichter zu verstehen.

Ich erkläre im Gegenzug, dass auch hier in Deutschland Wie geht’s? zur Begrüßung in der Regel keine ernstgemeinte Frage, sondern lediglich eine Floskel ist. Weshalb es mir so schwer fällt, sie zu stellen, weil ich sie immer ernst meine und auch stets den Drang unterdrücken muss, sie ehrlich zu beantworten. Wenn ich dich frage, wie es dir geht, kannst du mir sehr gerne ausführlich darauf antworten, füge ich deshalb hinzu.

Noch etwas, das mich wieder einmal beschäftigt, ist die Diskrepanz zwischen Außenwirkung und Selbstwahrnehmung. Sie wolle unbedingt selbstbewusster werden, sagt sie, und ich hatte Minuten vorher noch gedacht, dass ich bewundere, wie ruhig, liebenswürdig, mutig – und selbstbewusst – sie stets auf mich wirkt. Was ich ihr sofort sage, um die Zweifel vielleicht ein wenig zu verringern.

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Heute esse ich gemeinsam mit Freundinnen zu Mittag, dann spazieren wir zur Eisdiele, sitzen gemütlich auf einer Bank herum, gehen zu Fuß zu einem Kreativ-Markt, auf dem zu laute Musik und vermehrt uninteressante Dinge verkauft werden. Hipsterbedürfnismarkt, sagt die eine und ich frage mich, ob es in Berlin eigentlich noch Orte gibt, an denen man sich einfach mal irgendwie kritiklos gemütlich aufhalten kann. Weil noch Zeit ist, kaufen wir uns Getränke, setzen uns weit ab vom Schuss in den Schatten und ich fühle mich gut aufgehoben.

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Die wunderbare Sonne!

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Wenn ich am Tisch sitze und tippe, steht der Kater vor mir und drückt seine Stirn gegen meinen Mund und meine Nase. Dann atme ich eine Weile in sein Fell hinein und das ist dann fast sowas wie Meditation.




04/05/2017
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Gestern Vormittag ist mein Macbook gestorben. Sämtliche, bis tief in die Nacht reichende Bemühungen, die Daten zu retten oder doch wenigstens das Betriebssystem neu zu installieren, schlugen fehl. Heute Morgen stehe ich – ganz Opfer des Kapitalismus – bereits zehn Minuten vor Ladenöffnung vor der Türe des Computerladens, blicke auf die Uhr an der Straßenecke und zähle angespannt die Minuten ganz so wie in der vergangen Nacht, als ich auf Lade- und Statusbalken sowie krude Zeitangaben blickte. Ich kaufe innerhalb von drei Minuten die günstigste Variante eines Apple-Rechners, um bloß rechtzeitig für ein Meeting auf der Arbeit zu sein. Das Geld hatte ich für den Flug nach Tokio sowie das einwöchige Zugticket dort eingeplant. Einziger Trost: die uralte Creative Suite lässt sich auch vom neuesten Betriebssystem nicht einschüchtern.

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Katie von Christine Wunnicke liest sich bereits nach den ersten Zeilen ganz wunderbar.