27/07/2017
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Ein fremdes Bett, das sich nicht fremd anfühlt. Ohnehin fühlt sich gerade nichts so an, und gleichzeitig ist alles brandneu.

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Ich arbeite von zuhause aus und der Klempner kommt kurzfristig vorbei, um die tropfende Gastherme zu reparieren. Im Auftrag vom Hausmeister macht er Fotos von meinen Fenstern, die gestrichen werden müssen. Gehen wir ins Schlafzimmer? fragt er und ich denke an Pornofilmklischees. Denn stehen wir dort, neben meinem Bett, und unterhalten uns über die Kosten fürs Streichen, die ich für die inneren Fenster selbst übernehmen muss. In der Küche pfeift inzwischen der Kessel: das Wasser für den Kaffee ist fertig, den ich für den Klempner von Hand aufbrühe, als sei es 1977.

Ob er gegen 16 Uhr zusammen mit dem Ersatzstück für die Therme sowie dem Maler, der meine äußeren Fenster mitnehmen wird, wiederkommen könne? Klar, nicke ich. Tagelang keine äußeren Fenster? Ach warum nicht, es ist ist ja Sommer! denke ich. Vermutlich regnet es mir demnächst also ins Schlafzimmer.

Dann klingelt es und eine verwirrte Nachbarin, die sich mehrfach für die Störung entschuldigt, steht vor meiner Türe, will den Klempner sprechen, denn sie habe seine Stimme gehört, was mich nachdenklich machen sollte. Mit einem Bis später! verlässt der Handwerker die Wohnung.

Ich bin in ein Tür-auf-Tür-zu-Theaterstück geraten. Heute Nachmittag ist der zweite Akt dran.

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Du bist so gierig!Ja guck halt mal in den Spiegel!




25/07/2017
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In den beinahe zehn Jahren, die ich in Berlin wohne, arbeite ich zum ersten Mal in einem Stadtteil, den ich nicht über den Alexanderplatz erreiche. Ich bin deshalb nur noch selten dort, und wenn es dann doch einmal vorkommt, so wie heute Abend, treffen mich seine Hässlichkeit, seine Brutalität, und die mit ihm verbundene Anstrengung unerwartet. Denn nach wie vor bewege ich mich dort, als sei es belanglose Routine, mein Alltag. Erst jetzt begreife ich, wie schlecht es für mich war, jeden Tag zwei Mal an jenem Ort gewesen sein zu müssen, wo nichts gut ist. Lang lebe die Ringbahn!

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Meinste? frage ich, da fällt mir auf, dass ich heute zum ersten Mal die Therapeutin versehentlich geduzt habe. Siehste! sagt sie später in einem anderen Zusammenhang, und wir lachen.

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Tickets für Wolf Parade im November.
Give me your eyes, I need sunshine.

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Ausgerechnet jetzt findet Das Ende der Liebe – Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit von Sven Hillenkamp zu mir. Ich möchte mich doch vom Gegenteil überzeugen lassen. Nadel, Heuhaufen, whatever.




24/07/2017
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Auf einmal kennt man selbst eine Person, die beim Fahrradfahren von einem Auto übersehen wurde, nun auf der Intensivstation liegt – und niemand weiß, ob sie überlebt. Das weiß angestrichene Fahrrad bei mir an der Kreuzung steht auch immer noch da, und davor die Blumen und Grabkerzen. Ich habe mir zwar ein Fahrrad gekauft, doch ich nutze es nur noch für kurze Strecken und wähle dafür viele Seitenstraßen.

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Wie ich mich der Sicherheit halber immer weiter entfernen will.

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Drei Eis zum Abendbrot.

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Weil es im Oktober in Hokkaido so kalt ist wie in Berlin, habe ich beschlossen, erneut den Südwesten Japans zu bereisen. Ich scrolle mich durch alte Fotos, die ich in Beppu, Hiroshima, Nagasaki gemacht habe – und versuche zu ergründen, wer ich war, als ich noch diese langen braunen Haare hatte.