02/02/2015
..

Die Frau, die sich im Supermarkt vor mich drängelt, greift ins Kühlregal nach einer Packung Gorgonzola und pfeffert sie in ihren Wagen zu ein paar leeren PET-Flaschen.
An der Kasse steht sie dann erneut vor mir. Eine Flasche nach der anderen wirft sie aufs Band. Ihre Handbewegung hat jedes Mal etwas zutiefst Verächtliches. Zuletzt ist der Gorgonzola dran. Sie schleudert ihn den Plastikflaschen hinterher und mit einem lauten Geräusch bleibt der Käse auf dem Kassenband liegen.
Menschen sollten nicht so lieblos mit Dingen umgehen.




31/01/2015
..

Der Januar war ein weitaus schlimmerer Monat als der Dezember. Kaum ein Grund zur Freude, viel zu tun und wenig Raum für mich. Jeder Tag zu lang und anstrengend, die Abende zu kurz.

Ich hatte mich emotional verrannt. Zum Glück nicht weit, nicht lang. Aber es genügte, um nun übermäßig viel Zeit der Erholung zu benötigen. Und mit jeder Zurückweisung erlebe ich die vorherigen erneut, ich bin mittlerweile sehr beschädigt.

Hinzu kommt jene große Angst, meine Mutter zu verlieren. Neulich morgens erwachte ich aus einem Traum, der so grauenvoll war, dass alle, denen ich daraus erzählte, entsetzt waren. Im Gegensatz zu sonst erinnere ich mich an viele Details, an mehr als nur einen kurzen Ausschnitt. Der Traum wird der schlimmste meines Lebens bleiben. Ich werde ihn nicht mehr los werden.

Um der Schwere zu entfliehen, habe ich angefangen, Reisepläne für den Herbst zu schmieden. In diesen Plänen kommt niemand vor außer mir. Dazu wäscht mir Rosetta Stone das Gehirn.




21/01/2015
..

Ständige Anspannung. ‘Besser die Tage auf diese Weise verschenken als in traurigem, regungslosem Zustand.’ denke ich während der S-Bahn-Fahrt. Hier kann ich mich treiben lassen, denn das Mobiltelefon liegt zu Hause auf dem Wohnzimmertisch. Als ich das Vergessen heute morgen an der Tram-Haltestelle bemerkt habe, dachte ich sofort daran, es zu holen. Wehmütig fuhr ich stattdessen mit der Straßenbahn davon, und es ist wohl an der Zeit, meine Nutzung des Telefons einmal zu überdenken.

Morgen habe ich mein zweites Sprachtandem-Treffen. Beim letzten Mal, kurz vor Weihnachten, fiel kein einziges japanisches Wort. Ich hatte mich nicht getraut, und so sprachen wir die ganze Zeit Deutsch. Bis zum Januar wollte ich mutiger werden, Vokabeln lernen, sprechen üben. Nur wenig davon habe ich tatsächlich umgesetzt. Am besten bin ich mit den Kanji-Flashcards, doch das hilft mir nicht beim Bilden alltäglicher Sätze. Die Struktur, der Aufbau – alles ist immer noch so fremd. Ich zweifle an meiner Fähigkeit hinsichtlicher dieser Sprache. Vielleicht gehören wir nicht zusammen. Ich will das noch nicht glauben.